Ein Trainingstag mit dem Team Schadewaldt-Baumann

Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann führen ein Doppelleben. Neben ihrer Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London gehen sie einem anspruchsvollen Studium nach.  Im Gegensatz zu vielen anderen Studenten, die sich ausschließlich  über  Noten, Vorlesungen, Seminare und ein schickes Outfit für die nächste Party Gedanken machen müssen, planen die beiden ihren (Studien)-Alltag zusätzlich um die täglichen Trainingseinheiten herum. Nur so können sie den internationalen Standard im leistungsorientierten 49er-Regattasport gewährleisten.

 

Ein typischer Tag in Kiel aus der Sicht von Tobi

Ich wache gegen 6:30 Uhr auf, nehme meine Laufsachen und jogge eine Stunde im Wald. Hannes wird das gleiche tun, nur etwa eine Stunde später. Unsere Biorhythmen sind leicht versetzt, mit Hannes als typische Eule mir als klassische Lerche.

Ziel des Trainingstages in Kiel ist es, Studium und Leistungssport so effizient wie möglich miteinander zu kombinieren. Um zu den Top10 der Welt im 49er zu gehören, müssen wir etwa 25 Stunden in der Woche trainieren. Das Studium verlangt in etwa 20 Stunden. Dazu kommen dann noch etwa 10 Stunden Organisation und Auswertung des Trainings, sodass wir in der Summe ganz gut beschäftigt sind.

Inhaltlich geht es uns auf dem Wasser darum, bei der Fahrtechnik einen Schritt nach vorne zu machen. Bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr haben wir erkannt, dass wir hier noch ordentlich Potential zur Weltspitze haben. Das bedeutet konkret, dass unser Training auf dem Wasser im Wesentlichen ohne Tonnen auskommt. Wir machen mehr lange Schläge, gelegentlich auch mit verbundenen Augen, um unser Gefühl zu schulen.

Konditionell arbeiten wir an der Grundlagenausdauer. Training in diesem geringen Intensitätsbereich beschreibt sich aus meiner Sicht am Besten mit drei L‘s: Lang, langsam und lustbetont (oder manchmal auch langweilig). Ich freue mich schon darauf, wenn wir wieder näher an die Wettkämpfe der nächsten Saison rücken. Dann werden wir auch wieder schneller laufen und härter in der Kraftkammer zupacken!

Wenn wir vom Frühsport zurückkommen frühstückt  jeder bei sich zu Hause. Zusammen verdrücken wir wahrscheinlich fast ein ganzes Paket Müsli und eine gute Portion Obst mit Quark.

Meistens sitze ich beim Frühstück schon vor dem Laptop, lese Emails und plane irgendetwas. Früher habe ich  öfter mal versucht gleich mit Hannes die nächsten Ereignisse zu besprechen!  Jetzt weiß ich, dass ich das lieber sein lasse, weil der um diese Uhrzeit noch nicht so richtig für normale Unterhaltungen zu haben ist.

Mein Plan ist es, um 09:30 Uhr die Segelangelegenheiten geklärt zu haben, um meinem Studium nachzugehen. Leider wird es meistens später, weil einiges doch länger dauert, als ich mir bei der Tagesplanung eingestehen möchte.

Aller spätestens um 10:00  Uhr mache ich mich aber  mit dem Fahrrad auf den Weg ins Institut für Weltwirtschaft an der Kieler Förde. Hier gibt es ruhige Arbeitsplätze mit einer tollen Aussicht auf die Kieler Förde. Dort arbeite ich dann an meiner Master Arbeit, gönne mir mittags einen Spaziergang an der Kieler Förde und esse aus einer Tupperdose mein morgens selbst gekochtes Mittagessen.

Nach einer zweiten Runde studieren und viel leckerem Kaffee, geht es zum Segeln nach Schilksee. Hannes ist öfter schon vor mir da und kümmert sich um das Material. Er hat ein feines Händchen für alles was gebastelt werden kann und ist bei uns im Team der „Speedmaster“. Ich bin für solche Sachen etwas zu ungeduldig. Ohne Hannes würde die Materialoptimierung bei uns im Team sicher zu kurz kommen. Der Aufwand um einen 49er im Top Zustand zu halten wird oft unterschätzt. Eine ganz gute Grundregel ist, dass auf drei Stunden segeln, eine Stunde Bootsarbeit folgt.

Bevor wir aufs Wasser gehen treffen wir uns mit unserem Trainer Thomas Rein und den anderen 49er Teams zu einer Vorbesprechung und gehen die Ziele des Wassertrainings durch. Nach zwei Stunden Wasserarbeit gehen wir kurz in die Sauna, um uns schnell wieder aufzuwärmen. Ganz grob gesagt finde ich, dass Wassertraining in allen Monaten mit einem „R“, mit einem Saunagang enden sollte. Ich bin auf dem Wasser aber auch eine ziemlich Frostbeule, trotz Trockenanzug.

Nach der Sauna machen wir dann eine Auswertung des Wassertrainings. Für mich einer der besten Momente des Tages. Nach getaner Arbeit auf der Couch in eine Decke einwickeln und entspannt über segeln reden, herrlich. 

Danach geht es ab in den Kraftraum für die abendliche Konditionseinheit. Dabei machen wir abwechselnd Zirkeltraining mit Gewichten oder eine Ausdauereinheit auf dem Fahrradergometer. Gegen 21:00 Uhr sind wir meistens fertig und fahren nach Hause.

Normalerweise runde ich den Tag mit einem selbst gekochten Abendessen ab. Zu meinen favorisierten  Mahlzeiten gehören  Omlett, Curry, Fisch und größere Mengen an Gemüse. Glücklicherweise ist kochen eines meiner Hobbys und so kann ich Abends das nützliche mit dem angenehmen kombinieren. Neben dem Segeln und dem Studium bleibt leider sonst kaum Zeit für meine Hobbys, wie Golf oder Badminton. 

Essentielle Teile für die Arbeit: Pulsmesser, Fahrrad, Laptop, Schraubenzieher

Bester Teil der Arbeit: Bei starkem Wind aufs Wasser zu gehen, den 49er zu bändigen und ein rundes Manöver zu fahren, bei dem wir konstant gleiten.

Unangenehmster Teil der Arbeit: Einzeltraining auf dem Wasser bei 3 Grad und starkem Ostwind in Kiel. Dann ist es so kalt, dass man  nach zehn Minuten seine  Hände nicht mehr spürt.

Wöchentliche Belohnung: Ein freier Samstagabend mit Familie/Freunden, den jeder gewöhnlich getrennt von dem Anderen verbringt. Wir sehen uns in der Woche oft genug. Aus unserer bisherigen Lebenserfahrung würden wir mit einem zwinkernden Auge sagen, dass eine Ehe nichts dagegen ist.